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Buch zensiert 2012



Gerechtigkeit und Liebe zensiert

Das Buch „Just Love: A Framework for Christian Sexual Ethics” von Schwester Margaret Farley – kürzlich zensiert von der Kongregation für die Glaubenslehre – hat vielen Gläubigen und Nichtgläubigen große Freude bereitet. Es bietet neue Perspektiven und praktische Werkzeuge, um sich zwischen den vielen moralischen Dilemmata zurechtzufinden, denen Millionen von Gläubigen im alltäglichen realen Leben begegnen können.
Während Schwester Farley sich in einem soliden christlichen Bezugsrahmen bewegt, eröffnet sie denen, die ehrlich mit ihrem Leben und ihrer Sexualität umgehen und zugleich an ihrem christlichen Glauben festhalten wollen, immense Möglichkeiten. Mit Bedauern stellen wir fest, dass die Kongregation für die Glaubenslehre systematisch den Dialog über die menschliche Sexualität verweigert, Jahrzehnte an wissenschaftlichen Ergebnissen verleugnet und stur und verbohrt alte Wege geht. Dabei tut sie denen Gewalt an, die versuchen, Glaube und Vernunft im Hinblick auf die menschlichen Sexualität in Einklang zu bringen. Auch ist es traurig zu sehen, wie die Kongregation für die Glaubenslehre die Glaubenserfahrungen von Tausenden christlicher LSBTs, unserer Familien und Freunde verwirft. Interessanterweise wird damit in einer Zeit, in der Skandale innerhalb der römisch-katholischen Amtskirche – auch mit Bezug zur Sexualität – regelmäßig ans Tageslicht kommen, gerade eine Ethikerin bestraft!
Die Amtskirche verleugnet die Realität, dass ihre eigenen Verlautbarungen zur Homosexualität Verwirrung und Streit unter den Gläubigen ausgelöst, Familien in die Tiefen der Verzweiflung, Trennung und manchmal sogar der Gewalt geführt haben. Worte wie „objektiv ungeordnet” und „intrinsisch böse” haben Getaufte und Ungetaufte gleichermaßen an den Rand der Verzweiflung, manchmal sogar zur Selbsttötung getrieben.
Hingegen sind die Früchte des Buchs von Schwester Farley anderer Art: Sie sprechen die Vernunft an. Immer wieder versagen die Methoden, die die Kongregation für die Glaubenslehre anwendet. Viele Menschen, die in der Vergangenheit zensiert worden waren, wurden später – für gewöhnlich nach ihrem Tod – rehabilitiert oder sogar heiliggesprochen. Wir glauben, dass Geschichte sich wiederholt. Leider scheint es, als wolle die Amtskirche nicht aus den Fehlern ihrer Vergangenheit lernen. Wir erkennen an, dass Fragen der Sexualität und Moral große Probleme für diejenigen aufwerfen, die das Gesetz achten und als Männer zölibatär leben. Doch nur durch Kontakte, Beziehungen und den Dialog können Lösungen gefunden werden. Ächtungen werden nur noch mehr Menschen von der römisch-katholischen Kirche entfremden. Hingegen wurden Menschen, die Schwester Farleys Buch lasen, mit Nachdruck ermutigt: Dialog ist der Schlüssel zu jeglichem Wachstumsprozess.
Das Europäische Forum der christlichen LSBT-Gruppen glaubt, dass Schwester Farleys Gedanken und Anregungen ein großartiger Beitrag für die Weltkirche sind; wir glauben auch, dass Zensur nicht der Weg vorwärts ist. Es ist offensichtlich, dass die Lebenswirklichkeit von Millionen Gläubigen und die Welt der Isolation, die die römisch-katholische Kirchenleitung gewählt hat, Lichtjahre voneinander entfernt sind. Wir glauben, dass wir an einem Kreuzweg stehen: Entweder wir bauen Brücken oder wir werden uns immer weiter voneinander entfernen. Unsere Hoffnung sind die Gemeinschaft und der Bau solcher Brücken, aber die erfordern die Anstrengung aller Beteiligten – auch seitens der römisch-katholischen Amtskirche.
Wir sind uns sicher, dass Schwester Farleys Anregungen uns helfen können, eine wahrhaft allumfassende Kirche zu entwerfen, die umarmt statt auszuschließen. Wir befürchten, die Amtskirche könnte es vorziehen, das Evangelium Jesu Christi auf eine handverlesene, elitäre Gruppe innerhalb der Gesellschaft engzuführen. Wir glauben, dass die Frohe Botschaft universell ist und mit allen Menschen guten Willens geteilt werden muss. Schwester Farleys Buch „Just Love” erreichte auch Menschen, die sonst gedacht hätten, keinen Platz in der Kirche zu haben – und es schenkte Hoffnung.



05.06.2012

Diane Xuereb (Niederlande/Malta)
Dr. Michael Brinkschröder (Deutschland)
(Kopräsidentin und Kopräsident des European Forum of LGBT Christian Groups)