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Forum 2014

Tagung des Europäischen Forums Christlicher LGBT Organisationen
22-25 Mai 2014, Ostsee / Tallinn

“Sei vorsichtig, Osteuropa ist für Lesben ein gefährliches Pflaster!” Solche Bemerkungen bekamen wir vor der Tagung von verschiedenen Seiten zu hören. Zuge-geben, Estland ist nicht weit von Russland entfernt – und doch sind es Welten. Es war eine der öffentlichsten Forumstagungen, an denen ich je teilgenommen habe. Fast ständig waren wir, versehen mit postkar-tengrossen, eindeutigen Namensschildern, mitten unter anderen Leuten. Der Zufall wollte es, dass gerade in diesen Tagen das estnische Parlament ein Partnerschaftsgesetz berät.


“Sailing with Hope”, frei übersetzt “eine Schiffahrt voller Hoffnung” war das Motto der Tagung, in Anlehnung an eine estnische Legende, in der leibeigene Bauern auf ein weisses Schiff hoffen, das sie abholt und in die Freiheit bringt. Und mit weissen Schiffen waren wir auch unterwegs. Wir trafen uns in Stockholm, die erste Nacht verbrachten wir auf der Fähre nach Tallinn. Für viele Teilnehmende war es eine Überraschung, dass auf diesen grossen Fähren ganze Konferenzzentren zu finden sind. Am Donnerstag kamen wir in Tallinn an und verbrachten die nächsten zwei Nächte dort; mit Workshops, Podiumsdiskussionen und vielen Gesprächen.



Diversity

Das Forum wird deutlich vielfältiger. Dank einer portablen Simultan-Übersetzungsanlage und diversen freiwilligen Übersetzenden ist unterdessen eine Teil-nahme für Menschen, die besser Russisch als Englisch sprechen, möglich. Gleichzeitig wird das Verständnis von Geschlechtsidentität vielfältiger. Im kommenden Jahr werden wir uns ernsthaft Gedanken darüber ma-chen müssen, wie wir in unseren Leitungsgremien trans*-identifizierten Personen Raum und Stimme ge-ben, ohne deswegen das Anliegen, Frauen eine ange-messene Stimme zu geben, über Bord zu werfen. Das wird auch in der Wahl von Sharon Fergusson zur neuen Co-Präsidentin deutlich. Ihre Wahl war unbe-stritten, sie bringt enorm viel Erfahrung mit. Aber: Sie hat nun eine Position inne, die in den Statuten des Forums explizit für eine Frau vorgesehen ist. Auch wenn sie biologisch weiblich ist und nichts dagegen hat, dass ich hier weibliche Pronomen verwende – sie selbst sieht sich als genderqueer, nicht als Frau.

Römisch-Katholisches
Ein grosses Thema waren die Entwicklungen in der römisch-katholischen Kirche. Das Forum wird die Zusammenarbeit mit diversen Gruppierungen weiter intensivieren, z.B. mit der internationalen Bewegung “Wir sind Kirche” (in der Schweiz: Tagsatzung), oder “Church on the Move”, die Lobbyarbeit im Europarat machen. Wich-tige nächste Etappen sind die Familiensynode und das 50jährige Jubiläum des Endes des 2. Vatikanischen Konzils. Neben verschiedenen Arbeitsgruppen, die diese Themen verfolgen, soll es vor der nächsten Forumstagung ein offenes Treffen für alle Interessierten geben, die das Forum hier unterstützen wollen.


ILGA-Europa
Auch die Zusammenarbeit mit ILGA Europa wird enger. Gabriella Calleja, Co-Präsidentin von ILGA Europa war an der Tagung, Zur Zeit versuchen verschiedene konservative Gruppierungen bei den Diskussionen um Menschenrechte die Religionsfreiheit an oberste Stelle zu setzen und damit ihre spezifischen Interessen durchzusetzen, auf Kosten der anderen Menschenrechte. Hier sind nicht nur säkulare, sondern auch religiöse Gegenstimmen gefragt.

Osteuropa

Ein weiterer Focus der Tagung war Osteuropa. Ein Abend war dem Dokumen-tarfilm von Yulia Matsiy: „They hate me in vain“ (Sie hassen mich vergebens) gewid-met. In Workshops wurde das im Sommer beginnende Forumsprojekt zur Stärkung von GruppenleiterInnen in Osteuropa vorgestellt. Nach wie vor gesucht werden Mentorinnen und Mentoren, die bereit sind, eine Person aus Osteuropa oder Zentralasien für eineinhalb Jahre zu begleiten. Weitere Informationen auf der Webseite des Forums oder direkt bei Irène (secretary@euroforumlgbtchristians.eu).
Ausserdem traf sich eine informelle Gruppe, um hilfreiche Kontakte zu knüpfen und zu überlegen, wie die kirchenpolitische Arbeit in den orthodoxen Kirchen angegangen werden könnte.



Wie weiter?
Am Samstagmorgen, in aller Frühe, begann die Überfahrt nach Helsinki. Nach dem Frühstück diskutierten wir auf dem Sonnendeck und anderswo in Kleingruppen, welche Schwerpunkte das Forum 2015-2018 setzen soll. In Helsinki selbst gab es dann getrenntes Programm: Die VertreterInnen der verschiedenen Gruppen trafen sich zum ersten Teil der Delegiertenversammlung, während viele finnische Freiwillige für die anderen diverse Alternativen anboten.

Gottesdienst in Helsinki

Nach dem Mittagessen, zubereitet von Strafentlassenen, feierten wir in der Kirche des Stadtteils Alppila Gottesdienst in der lutherischen Tradition. Die Bischöfin von Helsinki, Irja Askola, war anwesend und hielt die Predigt. Für die lutherische Kirche Finnlands war das ein starkes Statement, das leider übel belohnt wurde: Bischöfin Askola erhielt eine Morddrohung, und einer ihrer Gegner nahm unbemerkt am Gottesdienst teil, von wo er ein Manuskript der Predigt mitnahm.
Um die Erinnerung an den schönen Gottesdienst nicht so enden zu lassen: Durch die Liturgie führte Ulla K. und am Klavier Petri L., die vor fünf Jahren dem Forum die eigens komponierte Hymne „Courage“ schenkten. Für die beiden war es ein besonderes Erlebnis, dieses Lied nun mit kräftiger Unterstützung der Anwesenden zu singen.



Beim Forum dabeisein

Auch wenn einige Delegierte beim zweiten Teil der Delegiertenversammlung, die auf der Fähre zurück nach Stockholm stattfand, etwas grün im Gesicht wurden: Es war wiederum eine eindrückliche und wunderbar organisierte Tagung. Neu ist es auch möglich, als Einzelperson Teil des Forums zu werden: Forum Friends steht allen offen, die entweder einmal an einer Forumstagung waren oder von Mitgliedern von bereits zugehörigen Gruppen vorgeschlagen werden.

Nächste Tagung:
Die nächste Forumstagung findet über Pfingsten 2015 in Merville-sur-Mer in Frankreich statt. Die Tagung beginnt am Freitag, 22. Mai 2015 mit den Vorkonferenzen, und dauert bis Montag, 25. Mai. Diesmal wird die Konferenz zweisprachig sein, Englisch und Französisch, da sie in Kombination mit dem Wochenende von David & Jonathan stattfindet.

Fotos: Die Aussicht aus einem der Tagungsräume – Zeitzonengrenzen überschreiten? Für diese Uhr ist das kein Problem – 2x: Tallinn, Blicke in die Altstadt – Namensschild von der Tagung