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BERICHT RÜDLINGEN 2016

Säen und ernten

CooL-Wochenende vom 3./4. September 2016
mit CooL – Christliche Organisation von Lesben, für lesbische und bisexuelle Frauen innerhalb und ausserhalb der Kirche

Samstag
Gemeinsamer Tagungseinstieg am Morgen
Nach der Begrüssung von Präsidentin Marianne macht uns Ruth spielerisch und fantasievoll auf verschiedene Aspekte des Säens und Erntens aufmerksam
Kleine Packpapiersäcke stehen in der Kreismitte. Sie sind mit farbigen Schildern versehen mit Überschriften wie: Staunen, Toleranz, Zivilcourage, Freude, Dankbarkeit usw. Wir sollen für uns spontan einen Begriff auswählen, der uns anspricht. Und auf einer kleinen, dekorierten Spanschachtel steht: Wer für andere Blumen sät blüht selber auf!
Ruth schliesst ihre Besinnung mit den Worten: Hin und wieder lohnt es sich über das Saatgut, welches wir ausstreuen und dessen Wirkung auf uns und unsere Mitmenschen nachzudenken!
Schon bald gibt es das Mittagessen – eine willkommene Stärkung. Tischgespräche geniesse ich, da sie in meinem Alltag zu kurz kommen… Danach bleibt noch etwas Zeit bis es weiter geht. Ich freue mich auf den Nachmittag!

Themeninseln am Nachmittag
Säen und ernten – was liegt dazwischen?
diese Themeninsel zur Vertiefung eines Bibeltextes findet draussen im Garten statt. Mit Dorothee und Nicole betrachten wir ein Batikbild, welches das Gleichnis vom Senfkorn (Markus 4, 30-32) darstellt. – Erstaunlich, was wir anhand dieses Bildes an Aspekten und Fragen zusammentragen. Es stellt einen Sämann dar, der mit Sorgfalt und Bedacht einzelne Samen pflanzt. Wer sät, der rechnet mit Gott! Und manchmal darf man auch ernten ohne dass man sät! gibt uns Dorothee mit auf den Weg.

Spaziergang. Baden im Rhein.
Die andere Gruppe gönnt sich ‚Natur pur’ und macht mit Marie-Hélène einen Spaziergang in der schönen Auenlandschaft am Rhein. Wer Lust hat nimmt ein erfrischendes Flussbad.
Laufen, lachen, reden und spüren - Einfach ernten, was die Natur uns schenkt!

Am Abend
Gemeinsame Einstimmung.
Vor dem Abendessen sitzen wir draussen im Steinkreis. Zum runden Geburtstag einer Teilnehmerin singen wir ein ‚Happy-Birthday’.
Schön, dass uns wieder Dorothee mit der Gitarre zu Wunschliedern aus dem CooL-Singheft begleitet!

Disco
Später verlockt super Discomusik, von DJ Blänku und Assistentin Verena aufgelegt, viele Frauen sich auf der Tanzfläche zu zeigen. Die Stimmung ist aufgeräumt, die Musik erinnert an Partyzeiten und lädt zum Träumen ein.
Ob allein oder zu zweit sich tanzend durch den Raum bewegen, das gefällt vielen Frauen. Zum Abschluss eines intensiven Tages feiern wir unser Zusammensein und lassen den Abend ausklingen.

Sonntag
Themeninseln am Morgen
Der leichte Nebel, der bereits den Herbst ankündigt, hat sich fast aufgelöst.
Christine und Irène führen uns durch die Morgenandacht. Nach dem Lied „Morning has broken„ und der kurzen biblischen Lesung durch Anna Th., nach Gebet und Fürbitte werden wir mit Blumensamen und Erde im kleinen Töpfchen beschenkt. So können wir zu Hause das hier in der Gemeinschaft Erfahrene praktisch umsetzen: Die Samen säen, den Pflänzchen beim Wachsen zusehen, sie pflegen. Darum bitten, dass sie gut wachsen - Hoffnung und Zuversicht weiter wirken lassen.


LGBT Christinnen und Christen in Europa
Anlässlich ihrer Teilnahme an der Jahrestagung vom 5.-8. Mai 2016 in Göteborg berichtet Irène engagiert über das Europäische Forum christlicher LGBT-Gruppen. Wir schauen zusammen einen kurzen Forumsfilm an, fragen und diskutieren.
Einige CooL-Frauen waren 2013 an der Tagung in Zug dabei. Deswegen und weil ich Informationen zur Tätigkeit des EF als wichtig ansehe, berichte ich etwas ausführlicher über diese Themeninsel.
Ergänzend zu Irènes Ausführungen entnehme ich weitere Infos dem Forumsfilm Er ist an der Jahrestagung 2010 in Barcelona entstanden.
Basisinformationen. Seit der Gründung 1982 in Paris kämpft das Europäische Forum für Rechte und Anerkennung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in den christlichen Kirchen Europas. Das Forum trifft sich seit 34 Jahren an Auffahrt, wechselweise in einer anderen europäischen Stadt. Tagungssprache ist Englisch. Das European Forum of LGBT Christian Groups ist ein grosses Netzwerk dem über 50 Gruppen aus der ganzen Welt und über 20 europäische Länder angehören.
Veröffentlichung. Irène macht uns auf „Let our voices be heard„ aufmerksam. Für dieses Buch sind gegen 100 Erfahrungsberichte von Menschen aus den Forumsgruppen zusammengekommen. Es sind anschauliche Zeugnisse von Glauben, Zweifel, Diskriminierung aber auch von Liebe und Hoffnung. Irène sagt, sie habe darin viel für sich selber lernen können.
Tagungsprogramm. Neben gemeinsamen Gebeten und ökumenischen Gottesdienstfeiern werden an den Tagungen auch Meditationen, Workshops, Gesprächsrunden und Vorträge gehalten. Sie bieten eine Basis für Vernetzung, Austausch und Schulung in Kommunikationstraining und selbstbewusstem Auftreten. Selbstsicherheit ist eine wichtige Voraussetzung in Gesprächen und Verhandlungen mit konservativen bürgerlichen und politischen Organisationen oder mit Führungspersonen in der Kirche, die gegen LGBT in Kirchenzusammenhängen sind.
Berichte aus dem Film. Kerstin Soberblöm (ausgebildete ordinierte Pfarrerin in der Evangelischen Kirche Deutschland) formuliert u.a.:
„Für mich ist es wichtig, Spiritualität und Fragen des Glaubens auf der Suche nach der eigenen Identität als LGBT miteinander zu verbinden. Aus diesem Grund möchte ich zwei Aspekte betonen.
Ich bin auf der Suche nach Wegen, wie Lesben und Schwule ihren Glauben in Gottesdiensten und christlichen Ritualen zum Ausdruck bringen können. Doch mehr noch, mir ist es ebenso wichtig, dass die Arbeit des Europäischen Forums Einfluss auf die Menschenrechte und die Kirche Europas und der ganzen Welt nimmt. Es ist von grosser Bedeutung, dass wir unsere Geschichte oder Teile von ihnen, erzählen. Darum haben wir in einem Workshop die Möglichkeit eröffnet, dass Anwesende ihre Lebenszusammenhänge, Geschichten und Hoffnungen, Träume und Zweifel auf der Suche nach einem authentischen Leben als Homosexuelle und Gläubige mit uns teilen.
All dies mit dem Wissen, dass wir uns bereits im 21. Jahrhundert befinden und nicht von irgendeiner anderen Zeit sprechen. In diesem Workshop haben wir viel positive Resonanz erhalten, was uns zeigt, dass wir diese Form der Workshops beibehalten werden.„
Ein italienisches Forumsmitglied sagt im Film: „Viele Lesben und Schwule, vor allem junge Lesben und junge Schwule, treten aus der Kirche aus. Wir Christen sollten besonders ein Auge auf diese jungen LGBT haben und mit ihnen zusammenarbeiten. Die LGBT Bewegung, wie auch alle anderen Menschen, sollten um eine positives Bild der Religion bemüht sein. Dies ist der einzige Weg wie wir eine Veränderung in der Kirche herbeiführen können.„
Fazit. In den letzten 34 Jahren haben viele Freiwillige im Europäischen Forum grosse Aufbauarbeit geleistet. Damit Kontinuität gewährleistet ist braucht es auch Festangestellte und genügend finanzielle Ressourcen. Es ist noch viel gesellschaftliche und kirchliche Aufklärung notwendig, um der leider wieder zunehmenden Homophobie Einhalt zu gebieten. Wichtig finde ich, dass wir es wagen uns zu zeigen, damit wir nicht als anonyme Minderheit wahrgenommen werden. Hinter jedem Namen ist eine persönliche Geschichte; von einem Menschen wie du und ich. Vielleicht kennst du sie, aber wusstest es bisher nicht: deine Nachbarin oder dein Nachbar leben so. Gemeinsamkeit macht uns stark!
Tagung 2017. Das Europäische Forum christlicher lgtb-Gruppen wird in Danzig/Gdansk am 25-28. Mai stattfinden.

Am Nachmittag
Nach dem Mittagessen setzen wir uns nochmals in den Kreis. Nach einem kurzen Rückblick liest uns Ruth zum Tagungsabschluss den Text „Unkraut„ von Lorenz Marti vor.
Was alles zusammen gekommen ist dieses Wochenende! - Ein wunderbarer Blumenstrauss an Gestaltung, Mit-Teilen, Freude, Spiritualität, Fragen, Zuhören und Antworten, Lachen, Singen auch Tränen der Rührung und Betroffenheit, Wissensaustausch, feinem Essen, Geniessen, Ruhen, Staunen und Tanzen.

Ich danke allen Frauen, die ihre Kraft und Weisheit, ihr Fachwissen und Organisationstalent, ihren Witz und Humor und ihre Dankbarkeit und Aufmerksamkeit mit ins Wochenende nach Rüdlingen gebracht haben. Alle zusammen haben Samen gesetzt für einen cooLen Garten, der blühen und Früchte tragen möge, die wir ernten, die uns nähren und die wir weiterschenken mögen.

Maja